Projekt
Mobile organische Fremdstoffe
Weltweit sind mehr als 100.000 Chemikalien im ständigen Gebrauch. Nur ein
Bruchteil davon ist bisher umfassend ökotoxikologisch untersucht worden.
Dies gilt insbesondere für "mobile, organische Fremdstoffe" (MOF):
Substanzen, die gut wasserlöslich und durch physikalisch-chemische oder
biologische Prozesse nur schwer abbaubar sind. Gelangen sie in
Fließgewässer, sind die Voraussetzungen für ihre weiträumige Verteilung und
eine Einwirkung auf eine Vielzahl von Lebewesen gegeben. Für einige MOF
liegen bereits Erkenntnisse einer hohen biologischen Wirksamkeit schon bei
Spurenkonzentrationen im Wasser vor. MOF stellen daher für aquatische
Ökosysteme und die natürlichen Wasserressourcen eine bisher unzureichend
untersuchte Gefährdung dar.
MOF sind oft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Viele von ihnen sind in
alltäglichen Materialien und Produkten wie Kunststoffen, Schaumstoffen,
Körperpflege- und Arzneimitteln enthalten. Über Verbrauch und Entsorgung
gelangen sie in die Abwässer und werden in
Fließgewässern in umweltrelevanten Konzentrationen nachgewiesen. Durch den
privaten Konsum hat das Problem damit neben einer ökologischen und
ökonomischen auch eine soziale Dimension. INTAFERE untersucht daher das
besondere Gefährdungspotenzial von MOF aus einer integrativen Perspektive.
Untersuchungsgebiet ist das Hessische Ried eine Region von zentraler
Bedeutung für die Wasserversorgung des Ballungsraumes Rhein-Main.
Nachhaltiges Wasserqualitätsmanagement
Das Problemfeld MOF in Fließgewässern ist durch erhebliche
Wissensdefizite gekennzeichnet: Über die Wirkung der meisten
Einzelsubstanzen auf aquatische Organismen ist kaum etwas bekannt. Das
Gleiche gilt für die freilandrelevante Exposition mit komplexen Mixturen von
MOF. Überdies ist weder das für die Bewertung des Gewässerzustandes wichtige
Sediment noch die Problematik der Bildung und Wirkung von Metaboliten
hinreichend untersucht. Dieses Partialwissen über grundlegende
Wirkungszusammenhänge führt zu Unsicherheiten bei der Bewertung des
Gefährdungspotenzials von MOF. Angesichts der Vielzahl von MOF stehen daher
klassische Bewertungsverfahren auf Basis eindeutiger Wirkungsbetrachtungen
und Grenzwertsetzungen für Einzelsubstanzen im Widerspruch zum Vorsorge- und
Nachhaltigkeitsprinzip.
Ziel von INTAFERE ist die Entwicklung innovativer Bewertungsverfahren,
die an die komplexe Problemlage angepasst sind. Ausgangspunkte sind das
Konzept der gesellschaftlich ausgehandelten Risikobewertungen und der Aufbau
einer Wissensbasis zur Verbreitung und Umweltwirkung ausgesuchter MOF unter
Freilandbedingungen. Auf dieser Basis wird ein qualitativ-quantitatives
Modell als zentrales Analyse- und Kommunikationsinstrument von INTAFERE
entwickelt. Es integriert das unterschiedliche disziplinäre und sektorale
Wissen sowie die Perspektiven der betroffenen Akteure. Mit Hilfe des Modells
werden Zukunftsszenarien zur Entwicklung der Gesamtbelastung der
Fließgewässer des Hessischen Rieds mit MOF erstellt.
Übergeordnetes Ziel von INTAFERE ist die Schaffung von Grundlagen für ein
nachhaltiges Wasserqualitätsmanagement.
Integration und Partizipation
Die integrierte Analyse von MOF in Fließgewässern wird in fünf
konzeptionell aufeinander bezogenen natur- und sozialwissenschaftlichen
Teilprojekten entwickelt:
Zentrales Element des Forschungskonzeptes ist ein
Stakeholderpartizipationsansatz: Die Modellentwicklung und die Konzeption
von angepassten Bewertungsverfahren erfolgen im Rahmen eines diskursiven
Prozesses mit einer Gruppe betroffener Akteure aus Wasserwirtschaft,
Industrie und Verbraucherverbänden.
INTAFERE wird Wissen, Instrumente und Methoden für eine adäquate
Einschätzung des Gefährdungspotenzials von MOF für Mensch und Umwelt auf
einer fundierten wissenschaftlichen Basis bereitstellen. Dadurch wird es
langfristig möglich, begründbare Handlungsoptionen zur Verbesserung und
Vermeidung von Belastungssituationen zu identifizieren und
gesellschaftspolitischen Entscheidungsprozessen zugänglich zu machen. Die
Einbeziehung von Stakeholdern in den Forschungsprozess eröffnet die
Möglichkeit, gesellschaftlich robuste Risikobewertungen zu erzielen.
Die geplanten Forschungsarbeiten in INTAFERE werden in engem Zusammenhang
mit den Anforderungen zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie
gesehen.
Einen Projektflyer finden Sie zum download
hier.
Projektlaufzeit: Januar 2005 - Dezember 2007
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